Warum Greenbox?

Warum Greenbox?

Greenbox-Studioproduktionen sind heute längst gängiger „Alltags-Kram“ im Filmgeschäft.

Das Verfahren beruht auf einer farbbasierten Bildfreistellung, bei der nachträglich Personen oder Objekte vor einen beliebigen Hintergrund gesetzt werden können. Dieser kann entweder eine reale Filmaufnahme oder aber eine computergenerierte Grafik (Beispiel: der Tagesschau-Background) sein. Wichtig ist vor allem eine gezielte Ausleuchtung der Szenerie, sodass die Farbfläche und die Personen im Vordergrund lichttechnisch voneinander getrennt werden und möglichst wenig harte Schatten auf den Hintergrund fallen. Spiegelnde und reflektierende Stoffe und Gegenstände sollten dringend vermieden werden, damit im Nachgang beim sogenannten „keying“ – dem Freistellen der Personen oder Objekte – keine Fehler oder Probleme auftauchen und sich die Farbe des Hintergrundes nirgends spiegelt – Vorsicht mit Brillengläsern, Nahaufnahmen von Pupillen und heller Kleidung.

Alternativ zur Greenscreen-Technik gibt es nach wie vor auch die Bluescreen-Technik. Heutzutage gibt es nicht DIE einzig wahre Vorgehensweise, vieles ist situationsbedingt und wird von Dreh zu Dreh entschieden. Das Argument, welches zunächst beide Verfahren für sich sprechen lässt, ist das folgende: sowohl grün als auch blau kommen üblicherweise als Farbe nicht am menschlichen Körper vor und heben sich somit gut von Hauttönen ab. Allerdings bringen die modernen Sensoren der Filmkameras ein paar technische Aspekte und Inputs mit, die in vielen Fällen die „Entscheidungs-Waage“ eher auf der Greenscreen-Seite beschweren.

Heute heißt es also: herzlich willkommen zu einem kleinen theoretischen Exkurs.

 

Kamera-Sensoren

Der Sensor in jeder Kamera ist das Bauteil, auf den das Licht fällt und das zunächst ein nur aus verschiedenen Helligkeitsstufen bestehendes, zweidimensionales Abbild des Motivs erzeugt. Um dieses zusätzlich auch mit Farbinformationen zu „versorgen“, wird vor jede einzelne lichtempfindliche Zelle des Sensors eine Art Farbfilter gebaut, der eine der drei Grundfarben enthält: Rot, Grün und Blau. Wie dann letztendlich aus diesen einzelnen Farbinformationen das aus diversen Farbwerten bestehende Bild erstellt wird, ist ein anderes Thema – das Stichwort hierfür lautet „Farbinterpolation“.

Das was uns in diesem Artikel nun viel mehr interessieren soll, sind die bereits genannten Farbfilter. Diese liegen – je nach Bauweise und Typ des Sensors – in unterschiedlichen Aneinanderreihungen auf den Zellen. So entstehen verschiedene Matrix-Muster. Eine sehr gängige Form ist die sogenannte Bayer-Matrix, benannt nach dem Erfinder Bryce E. Bayer (1929 – 2012):

Bayer-Matrix

Wenn man sich das Verhältnis der drei Farben anschaut wird deutlich, dass Grün in der Flächenzuweisung im Vorteil ist. 50% der ganzen Fläche besteht aus Grün, die anderen 50% teilen sich die Farben Rot und Blau mit jeweils 25%. Der Ursprung für diese Herangehensweise liegt in der Biologie des menschlichen Auges verborgen: unser Auge ist deutlich sensibler für die Wahrnehmung von Hell- und Dunkelabstufungen bzw. Kontrasten und damit auch Schärfeverteilungen in einem Bild als für die Wahrnehmung von Farbinformationen. Nachgewiesen ist, dass Grün anteilsmäßig in allen Grauabstufungen den größten Beitrag zu dieser Helligkeitswahrnehmung leistet. Hinzu kommt, dass Grün der Mittelwert des elektromagnetischen Farbspektrums ist und Kameraobjektive somit für diesen Bereich die höchste Abbildungsleistung liefern:

elektromagnetisches Farbspektrum

Fazit

Unter’m Strich lässt sich also zusammenfassen: die Biologie des menschlichen Wahrnehmungsvermögen und die darauf basierenden technischen Erfindungen der Bildaufnahmetechnik weisen der Grundfarbe Grün gegenüber eine extrem hohe – die höchste – Sensibilität auf. Wie in allen Bereichen der modernen Kamera- und Lichttechnik wird auf die Stärken und Schwächen des menschlichen Seh-Apparates reagiert, um diese optimal für eine qualitativ möglichst hochwertige Abbild-Darstellung nutzen zu können. Hier reiht sich auch die Greenscreen-Technik ein.

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